Montag, 11. Januar 2016

Barfuss am Strand


Ein Arbeitswochenende auf einer Insel hat seinen ganz besonderen Reiz. Besonders wenn viel Zeit für  gemeinsame Spaziergänge und nette Abende eingeplant ist. Dann geht die Arbeit auch gut voran.
Kalt war es zwar, und trüb am Anreisetag, aber das war nicht schlimm, wir kamen erst im Dunkeln an. Der nächste Tag verwöhnte uns mit Sonne und nur mäßigem Wind.


Der Strand ist frisch aufgespült, und ein eifriger Raupenfahrer schob den ganzen Tag lang Sand vor sich her in die Dünen, damit auch in den nächsten Jahren noch Strand da ist. Denn an dieser Seite der Insel holt das Meer sich jedes Jahr eine Menge Sand, um ihn auf der anderen Seite der Insel wieder abzulegen. Ich bin ein langes Stück barfuß über den Sand gelaufen, zwischendurch auch mal im Wasser, aber das war mir dann doch zu kalt. Als wir die Treppe rauf wollten, zog ich die Schuhe wieder an und hatte dann wunderbar warme Füße.


Die Treppe führte in einen der Inselorte und in einen verwunschenen Küstenwald. Von dort oben sah man ganz viel Meer, nichts anderes. Wenn ich zu hause an die Küste fahre, sehe ich immer irgendwo hinten Land, weil ich dann am südlichsten Punkt einer Bucht stehe. Hier war nur Meer.


Am Abreisetag war kaltes nebliges Fröstelwetter.Wir wanderten über die Insel zum nächsten Ort, um den Gottesdienst zu besuchen. Unsere Gruppe machte etwa die Hälfte der Gottesdienstbesucher aus. Vor dem Gottesdienst fragte der Pastor fröhlich in die Runde, wer denn Lust zum Läuten hätte, und natürlich fand sich ein Abenteuerlustiger, der sein Gehör aufs Spiel setzte. Hätte er die gleiche Frage in Bezug auf Orgelspiel und Predigt gestellt, wären wir ihm da auch aushelfen können, aber das haben er und seine Mitarbeiterin sehr gut allein hinbekommen.
Ein Inselgottesdienst in einer Inselkirche ist schon etwas Besonderes. Die Kirche war mit vielen maritimen Elementen ausgestattet, denn früher waren es die Fischer der Insel, die hier um Beistand auf See beteten. Rund um die Kirche ein Friedhof, der Jahrhunderte atmet.



Als die Fähre ablegte, warfen viele noch einen wehmütigen Blick zurück auf die Insel.  Wir verließen eine wunderbar andere Welt.


Auf dem Eis sahen die Spuren der Fähren aus wie Feldwege. Ein bisschen kam ich mir vor wie in der Arktis, wie die Eisschollen da so am Schiff vorbeischrammten. Aber das Eis war dünn und die Schollen klein, so dass wir gut wieder an Land kamen.

Diese Insel hat mir die Klarheit geschenkt, die ich in den letzten Wochen vermisst habe. Jetzt kann ich abschütteln und neu beginnen lassen. Deshalb ist Weihnachten heute auch schon im Karton verschwunden. Zumindest die äusserlichen Zeichen. Innerlich ist Weihnachten doch eigentlich immer.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen